Stricken?! - Tipps für Anfänger

Ich wurde in der Vergangenheit mehrfach nach Tipps für Strickanfänger gefragt. Ich habe mir gedacht, ich sammle das und teile es mit euch - vielleicht nutzt es ja dem einen oder anderen. Selber stricke ich seit 2012 und kann mich noch gut an meine Anfängerzeit erinnern.

Aller Anfang ist schwer...
Stricken sieht auf den ersten Blick vielleicht furchtbar kompliziert aus - aber ich kann euch beruhigen, das muss es nicht.  Ihr könnt euch langsam von den einfachen Grundtechniken zu den schwierigen Sachen vorarbeiten.

Ganz am Anfang empfehle ich euch die wichtigsten Grundtechniken zu lernen. Da kann ich euch auf Alpis Strickbuch verweisen - sie erklärt alle möglichen Techniken sehr gut und anschaulich. Außerdem lernt ihr dort das übliche Vokabular kennen.
Damit könnt ihr schon einiges machen. Auch spezieller Techniken erkärt Alpi sehr anfängerfreundlich - ich schaue dort oft nach, wenn ich eine Technik (noch) nicht beherrsche.

Das richtige Zubehör:
Als erstes braucht es zum Stricken die richtigen Nadeln. Jeder entwickelt da im Laufe der Zeit seine persönlichen Vorlieben von Material und Hersteller und die Auswahl ist wirklich riesig.

Ich mag besonders die Holznalden von KnitPro. Holz empfinde ich als sehr angenehm zu handhaben, es ist warm, stabil und die Wolle gleitet gut. Die Spitzen habe ich in fast allen Stärken und ein große Sammlung an austauschbaren Seilen. Dieses System macht sich nach einer Weile wirkliche bezahlt, weil man letztendlich weniger Nadeln kaufen muss (Spitzen + mehrere Seile anstatt viele verschiedene "feste" Rundadeln). Bei den KnitPro Nadeln sind außerdem die Spitzen sehr spitz, was ich beim Stricken sehr angenhem finde. Wer etwas mehr Geld ausgeben möchte, kann es auch mit Karbon Nadeln von KnitPro versuchen - die sind sehr leicht, aber unglaublich stabil.

Da ich viel mit Magic Circle stricke (eine Technik, bei der man auf Rundnadeln mit längerem Seil auch kleine Sachen wie Socken stricken kann) besitze ich mehr Rundnadeln als Nadelspiele.

Es gibt auch große Sets mit vielen Nadeln auf einmal. Die sind zwar recht teuer, aber sowas kann man sich immer gut zu Weihnachten/Geburtstagen schenken lassen.

Auf jeden Fall empfehle ich allen Anfänger keine schlecht verarbeiteten Billig-Nadeln zu verwenden. Besonders von den typischen grauen Plastik-Nadeln oder beschichteten Metall-Nadeln aus dem 1€-Shop würde ich die Finger lassen. Den Unterschied merkt man einfach und Stricken mit guten Nadeln macht definitiv viel mehr Spaß!

Vielleicht findet habt ihr ja strickbegeisterte Freunde, die euch mal eure Nadeln testen lassen oder ihr fragt im gut sortierten Wollgeschäft, ob ihr die Nadeln mal ausprobieren dürft.

Ansonsten würde ich euch empfehlen euch folgendes zu besorgen:
Maschenmarkierer - die gibt es in allen möglichen Formen und Farben für kleines Geld oder in extravagant - aber Hauptsache sie funktionieren. Ich verwende meist ganz einfach aus Plastik und einen zum Reihen zählen von Prym.
Zopfnadeln - falls ihr den Zopfmuster stricken möchtet. Ich nehme die von Clover und kann die uneingeschränkt weiter empfehlen.
Eine dicke, möglichst stumpfe Nadel um die Fäden am Ende zu vernähen.
Eine scharfe kleine Schere - klar - zum Schneiden.
Ein Maßband und ein Nadelmaß, um die unterschiedlich großen Nadeln unterscheiden zu können.

Die richtige Wolle:
Gerade am Anfang ist man von dem unglaublich riesigen Angebot an Wolle oft erstmal völlig erschlagen - und greift dann einfach zur billigsten Wolle. Aber halt, davon würde ich eher abraten. Gute Qualität, ist wie bei den Nadeln, auch bei der Wolle entscheidend.

Auch wenn man am Anfang denkt "Lieber nehme ich eine billige Wolle, da ist es nicht schlimm, wenn das Strickstück nicht gelingt." würde ich an der Wolle nicht zu viel sparen. Es muss keine 50€/50g-Wolle sein - aber ein bisschen was kann man schon investieren. Es macht einfach einen Unterschied, ob man kratzige 100% Polyester oder flauschige 100% Merino (eine Schafrasse, die besondern weiche Wolle gibt) verstrickt.

Ganz normaler Schafwolle ist oft etwas kratziger, wer also empfindliche Haut hat, sollte eher auf Merino oder Alpaka (eine Kamelart aus den Anden, die sehr weiche Wolle liefert) zurück greifen.
Fasern aus Plastik, wie Acryl, Polyester oder ähnliche sind zwar günstig und robust, auf der Haut aber oft unangenehm und in der Kleidung schwitzt man schnell - ich bevorzuge definitiv Naturfasern oder Mischungen.

Ich empfehle zu Beginn eine ganz schlichte, möglichst glatte und nicht zu dünne Wolle zu verwenden.  Der Faden sollte nicht zu leicht "zerfasern" und ihr solltet beim Stricken den Faden immer gut erkennen können, das beugt Fehlern vor und ist viel angenehmer, wenn man sich sowieso noch sehr stark auf die Technik konzentrieren muss.

Wichtig ist auch, dass die Wolle zu euren Nadeln passt - die empfohlene Nadelstärke steht auf jeden Knäuel drauf. Meist sind da verschiedene 1-2 Stärken gegeben. Gerade am Anfang strickt man oft noch etwas lockerer - dann nehmt lieber die kleinere Nadelstärke, wenn ihr sehr fest strickt ist dagegen die größere besser.

Außerdem ist auf jeden Knäuel auch die Laufläne in Meter pro Gramm (z.B. 70m/50g) angegeben und ein Maschenprobe (z.B. für 10x10cm = 20 Maschen x 30 Reihen). In jeder Anleitung sollten Angaben zur Lauflänge oder zur Maschenprobe gegeben sein, damit die mit eurer Wolle und euren Nadeln auch die richtige Größe erreicht. Achtet darauf!

Im Englischsprachigen Raum wird ein andere System für die Einteilung von Garnstärken verwendet.

Bei Ravelry könnt ihr suchen, ob ihr die wichtigen Angaben für eure Wolle findet, aber meist ist die Maschenprobe ausreichend. 

Ich mag zum beispiel ganz gerne die Garne von Drops - Drops Karisma (ab 2,35€/50g) oder Drops Lima (ab 2,35€/50g)

Zusammengefasst:
- nicht zu "billig" (aber es darf trotzdem preisgünstig sein)
- glatte "unkomplizierte" Wolle
- nicht zu dünn
- lieber nicht so hoher Anteil von Kunstfaser
- Merino oder Alpaka ist weicher als "normales" Schaf
- achtet darauf, dass Wolle und Nadeln von der Stärke her zusammen passen

Üben, Üben, Üben!
Jetzt kann es eigentlich losgehen. Wenn ihr alle Grundtechniken kennt und euer Material zusammen habt, steht dem ersten Strickstück eigentlich nichts mehr im Wege - eigentlich. Was fehlt ist die nötige Übung und Routine. Die Bewegungsabläufe müssen eingeübt werden, Techniken um Fehler zu korrigieren müssen erlernt werden und das Gefühl für die Nadeln muss

Das erste Projekt:
Jetzt kann es eigentlich losgehen - das erste richtige Projekt kann beginnen!
Ihr könntet natürlich erstmal üben, Rechtecke stricken und Topflappen in Massenproduktion, aber ich garantiere, dass das ziemlich schnell langweilig wird. Ich empfehle stattdessen gleich etwas tragbares zu probieren.

Natürlich nicht gleich einen Pullover und mit den Socken wartet ihr besser auch noch ein bisschen - aber nichts spricht gegen einen simplen Loop-Schal oder vielleicht sogar eine Mütze, wenn ihr Zu- und Abnahmen üben wollt.

Ich empfehle euch, euch bei Ravelry anzumelden - dort findet ihr eine riesige Auswahl an Anleitungen in verschiedenen Sprachen und sehr viele davon sind kostenlos.


Nur nicht den Mut verlieren!
Und wenn euch dann doch mal ein Fehler passiert - nicht gleich aufgeben. Es gibt verschiedene Möglichkeiten Fehler zu korrigieren. Wenn ihr merkt, dass ich irgendwo etwas falsch gestrickt habt, könnt ihr natürlich das ganze Strickstück wieder aufribbeln - aber das muss nicht sein. Ihr könnt bis zu der fehlerhaften Stelle zurück stricken und den Fehler korrigieren. Wenn ihr irgendwo ein Masche verloren habt, fällt die immer weite runter und das Strickstück löst sich an der Stelle auf. So ein Masche könnt ihr wieder rauf holen. Bei größere Strickstücken empfiehlt sich unter Umständen ein sogenannter Rettungsfaden.

Linksammlung
Hier nochmal nützliche Links auf einen Blick:
  • Alpis Strickbuch - kostenlose Tipps, Tricks und Techniken, auf Deutsch
  • Ravelry.com  (riesige Sammlung & Community rund um Wolle mit Garndatenbank und eigenem Projekte Board) - größenteils Englisch, einzelne Anleitung auch Deutsch u.a. - teilweise kostenpflichtige Anleitungen, Anmeldung und Nutzung kostenlos
  • Drops Garnstudio - günstige, aber recht gute Wolle und kostenlose Anleitungen auf Deutsch u.a.
  • KnitPro Nadeln

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